Hadithe – Überlieferungen von Worten und Taten des Propheten Muḥammad – sind für viele Muslime eine zentrale Quelle religiöser Orientierung und ethischer Maßstäbe. Sie werden in Moscheen, religiösen Unterrichten und digitalen Medien vielfach zitiert, interpretiert und für die Lebenspraxis fruchtbar gemacht. Allerdings finden sich in den Hadithsammlungen auch Überlieferungen, die Gewalt befürworten oder als religiös legitim darstellen.
Gerade für muslimische Jugendliche, die in pluralen, säkular geprägten Gesellschaften leben, stellen solche Texte eine besondere Herausforderung dar. Sie stehen im Spannungsfeld zwischen traditioneller religiöser Autorität und den normativen Werten der Aufnahmegesellschaft – wie Menschenwürde, Rechtsstaatlichkeit und Gewaltfreiheit. In der Auseinandersetzung mit gewaltverherrlichenden Hadithen können Unsicherheiten entstehen: Soll man solche Texte wörtlich verstehen, historisch einordnen oder als nicht mehr gültig betrachten?
Das Projekt untersucht;
wie muslimische Jugendliche in Europa mit solchen Hadithen umgehen,
Durch qualitative Interviews, Gruppendiskussionen und die Analyse von Bildungs- und Predigtmaterialien will das Projekt ein differenziertes Bild davon zeichnen, wie junge Muslime religiöse Texte im Kontext von Gewaltfragen verstehen, hinterfragen und in ihre Lebensrealität integrieren. Ziel ist es, Ansätze für eine kritische, kontextbezogene und gewaltablehnende Hadithvermittlung zu entwickeln, die Jugendlichen Orientierung bietet und Extremismusprävention unterstützt.