Islamistischer Antisemitismus in Österreich

Diese Studie untersucht erstmals systematisch die Vorstellungen von Imamen und jungen Moscheebesucherinnen in Österreich über Judentum, JüdinnenJuden und Israel. Grundlage ist eine mehrjährige qualitative Forschung mit Tiefeninterviews in verschiedenen Moscheegemeinden. Ziel war es, religiöse, gesellschaftliche und politische Einstellungen differenziert zu erfassen und so ein besseres Verständnis für die Entstehung und Verbreitung antisemitischer Haltungen zu gewinnen.

Hintergrund

  • Antisemitische Einstellungen treten in Europa in unterschiedlichen Formen auf: christlich tradiert, politisch-ideologisch und islamistisch geprägt.
  • In muslimischen Kontexten spielen sowohl religiös begründeter Antijudaismus als auch der Nahostkonflikt eine zentrale Rolle.
  • Die Studie vermeidet Pauschalisierungen und differenziert klar zwischen Islam, Islamismus, Antijudaismus und Antisemitismus.

Methodik

  • Qualitative Interviews mit Imamen, weiblichen Moscheeautoritäten und jungen Moscheebesucher*innen.
  • Typologische Auswertung: Vier Imam-Typen und drei Besucher*innen-Typen wurden identifiziert – von dialogorientiert bis verschwörungstheoretisch-antisemitisch.

Zentrale Erkenntnisse

  • Große Bandbreite der Haltungen: von theologisch emanzipiert und dialogorientiert bis zu antijudaistisch und verschwörungsgläubig.
  • Antizionismus ist häufig der dominante Ausdruck antisemitischer Denkweisen.
  • Der Einfluss von Imamen auf junge Moscheebesucher*innen ist geringer als erwartet – soziale Medien und Peer-Groups spielen eine wachsende Rolle.
  • Der Nahostkonflikt wirkt stark identitätsstiftend und kann vorhandene Vorurteile verstärken.
  • Positiv: Es gibt in allen Gruppen Gesprächsbereitschaft und Potenzial für Dialogarbeit.

Handlungsempfehlungen

  • Islamische Theologie und Imam-Ausbildung stärker auf jüdisch-muslimische Beziehungen, Pluralismus und historisch-kritische Perspektiven ausrichten.
  • Religions- und politische Bildung in Schulen gezielt zur Prävention einsetzen.
  • Dialoginitiativen zwischen jüdischen und muslimischen Gemeinden intensivieren.


Link zum BUCH:
https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-658-47614-4#:~:text=Dieses%20Buch%20geht%20auf%20die,aber%20auch%20in%20islamischen%20L%C3%A4ndern.